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Joachim Georg

Joachim Georg

Redaktion

Vorsicht, Vorurteile! Kreisstadt lässt Bürger*innen über Alltagsrassismus „stolpern“

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Die Kreisstadt Dietzenbach setzt sich seit Jahren für Vielfalt, Toleranz und Respekt ein. Dies in unterschiedlichster Form und kreativer Gestaltung. Die neusten Impulse
sind derzeit im öffentlichen Raum zu sehen. Denn seit dem 28. Juli „stolpern“ Menschen an zentralen und belebten Orten in der Stadt über etwa ein Quadratmeter große, gelb leuchtende Bodenaufkleber mit einer klaren Botschaft:
„Zu viele gehen einfach über mich hinweg. Rassismus ist ein echtes Problem in Deutschland und fängt mit Vorurteilen an. Doch nur wer sie sich bewusst macht, kann
sie überwinden.“
„Häufig ist Rassismus auch Unbedachtheit und zum Teil noch immer unreflektiert im deutschen Sprachgebrauch verankert“, beobachtet Dietzenbachs Erster Stadtrat
Dr. Dieter Lang. “Wir gehen zu leichtfertig über Alltagsrassismus in allen Situationen  hinweg. Wo auch immer wir auf andere Menschen treffen, wird häufig binnen
Sekunden kategorisiert, aufgrund der Herkunft, der Hautfarbe oder anderen bestimmten Merkmalen, die wir mit dieser Zuordnung identifizieren und in
Schubladen verankern“, stellt der Sozialdezernent fest. Daher sei es wichtig, immer wieder Impulse und sichtbare Zeichen zu setzen, um zum Nachdenken anzuregen
und in die Diskussion zu gehen. Daher auch die Aktion mit den auffälligen, einprägsamen und leicht provozierenden Bodenaufklebern.
Gemeinsam mit Maud Möller, Koordinatorin für Soziale Arbeit im Spessartviertel, brachte Dr. Lang einen von zwei Bodenaufklebern vor dem Bildungshaus an. Der
andere befindet sich direkt beim Rathauseingang (Offenbacher Straße).
Maud Möller regt zum Nachdenken an: „Es sollen eigene Vorurteile und Stereotype hinterfragt werden, wir alle sind davon betroffen. Es geht darum, zu verdeutlichen, dass Vorurteile und Rassismus nicht nur Phänomene „bei anderen“ sind, sondern ein Teil unserer Gesellschaft und unseres Alltags“.
Rassismus hat verschiedene Fassetten. Tätliche Übergriffe bis hin zum Mord sind besonders sichtbare und öffentlichkeitswirksame Zeichen für den Rassismus in
unserer Gesellschaft. Auch für die Kreisstadt. So ist der rassistische Anschlag in Hanau am 19.02.2020, bei welchem der Dietzenbacher Sedat Gürbüz zusammen
mit acht weiteren Opfern aus dem Leben gerissen wurde, unvergessen. Der Fall Walter Lübcke ist ein weiteres, hessisches und tragisches Beispiel.
Diese Verbrechen sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Viele Menschen werden im Alltag aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Herkunft oder Religion,
ihres Aussehens oder sonstiger rassistischer Zuschreibungen diskriminiert. Dies kann Sonja Hoffmann, Leiterin der Stabsstelle Integration, nach über zwölf Jahren
in der Integrationsarbeit bestätigen: „Alltagsrassismus kann beim täglichen Aufeinandertreffen auf der Straße, im Arbeitsleben, beim Zugang zu
Dienstleistungen und Wohnraum oder in der Schule passieren. Im Alltag entsteht Rassismus oft über Vorurteile und Stereotype, die den Blick auf die Person
verdecken.“
Für Betroffene ist diese Erfahrung verletzend. Rassismus greift die Würde des Menschen an und hat einschneidende Konsequenzen, da die Ausgrenzung die
gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einschränkt. Zur Bewusstwerdung dieser Thematik braucht es Denkanstöße, die auf das Thema aufmerksam machen. Es braucht ein Bewusstsein, sich mit eigenen Vorurteilen und Zuschreibungen auseinanderzusetzen. „Rassismus ist nicht immer böse Absicht, sondern häufig Unbedachtheit, die unsichtbar und verletzend zugleich sind. Sie können unser Miteinander schwächen und unsere Demokratie gefährden – gerade, wenn man selbst nicht tagtäglich betroffen ist“, erläutert Hoffmann.
Erster Stadtrat Dr. Lang stellt klar: „Wir gehen auch in Alltagssituationen über Rassismus hinweg, wenn wir anderen nicht helfen, die rassistisch abgewertet werden, die Rassismus erfahren, also in Situationen, in denen eigentlich Zivilcourage gefordert wird.“ Man müsse sich Rassismus klar entgegenstellen, so sein Apell.
Die Kampagne “Vorsicht, Vorurteile!” orientiert sich an einer bundesweiten Aktion vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Durch das
Bundesförderprogramm “Demokratie leben!”, in dem Dietzenbach seit bereits sechs Jahren vertreten ist, wurde die Finanzierung gewährleistet.

Quelle: Stadt Dietzenbach

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